Rückenschmerzen
Chronische Rückenschmerzen sind weit verbreitet, aber nur in zivilisierten Staaten. In ärmeren Staaten und in der Geschichte kommt der chronische Rückenschmerz, wie er heute so verbreitet ist, nicht vor.
Wirbelsäulenveränderungen sind altersabhängig und betreffen alle Menschen. Der Rückenschmerz hat aber nichts mit der Wirbelsäule zu tun abgesehen von Tumoren, frischem Wirbelbruch, Entzündungen. Diese Behauptung ist nicht neu, sondern sozusagen offensichtlich: Wären die degenerativen Veränderungen der Wirbelsäule für den Rückenschmerz verantwortlich, müssten alle Menschen, und zwar mit zunehmendem Alter immer mehr, unter Rückenschmerzen leiden. Nun widersprechen nicht nur die Medizingeschichte und die Beobachtungen in ärmeren Ländern dagegen. Auch bei uns klagen heute schon 15 % aller Jugendlichen, die sich vornehmlich mit Handy und Internet befassen, trotz jungfräulicher Wirbelsäule über Rückenschmerzen. Auf der anderen Seite zeigen gerade die Erfahrungen im Seniorensport, wie fit auch ältere Menschen sein können, die dann trotz erheblicher degenerativer Veränderungen an der Wirbelsäule chronische Rückenschmerzen nicht kennen. Das aber heißt, dass die meisten Menschen den chronischen Rückenschmerz zurückdrängen können müßten, wenn es gelingt, sie wieder in mehr Bewegung und eine bessere Fitness zu führen. Genau das aber kann die Betäubung jedenfalls nicht. Natürlich sollen akute Schmerzen betäubt werden, beim chronischen Schmerz hilft Betäubung häufig nicht ausreichend. Gerade beim Rückenschmerz gilt als Therapieziel daher alltagstaugliche Belastbarkeit und Hilfe zur Selbsthilfe.
Das heißt Eigenkompetenz des Kranken, heißt allmählich das Gefühl des Ausgeliefertseins und der Hilflosigkeit immer mehr zu verlieren. Der Patient lernt immer mehr, mit seinen Beschwerden selber besser zurechtzukommen, bis er sie durch hinreichende Fitness verliert. Dabei muss das Leistungsvermögen deutlich höher sein als das, was man jeden Tag im Alltag abruft.
Entscheidend sind die Verhaltensänderungen, die in der Reha die bessere Funktion und die zunehmende Belastbarkeit verschaffen. Diese Verhaltensänderungen gilt es in den Alltag nach der Reha hinüber zu retten, damit Funktion und Belastbarkeit erhalten und sogar noch weiter gesteigert werden können.
Das hat folgende Konsequenz: wir dürfen Ihre Behandlung nicht nach wenigen Wochen beenden. Die integrierte Versorgung läuft über ein Jahr, in dem wir Sie weiter begleiten, für Sie da sind, Ihnen weiterhelfen, auch dafür sorgen, dass Sie die Ziele nicht aus den Augen verlieren.
Das geschieht in Form von ambulanten Terminen.
Die zunehmende Selbstständigkeit im Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe heißt natürlich, dass sie immer weniger Behandlungen durch andere brauchen, sondern das Erforderliche an Bewegung und Übungen selber durchführen. Behandlungen auf Rezept können also nur ausnahmsweise erforderlich werden, bei Rückfällen und aber Neuerkrankungen. Dies stellen unsere Ärzte fest. Ansonsten ist es wichtig, dass sie selber die Initiative ergreifen, dann auch im Sinne der Sekundär-Prävention, das heißt dass sie sich selbst ein Programm erstellen, wie sie Bewegung sicherstellen. Das könne Sie alleine tun, Sie können in ein fremdes Fitnessstudio gehen, Sie können aber auch zu uns kommen, wir bieten eine solche Leistung auch an. Am besten tun Sie dies mit anderen zusammen.
Wir alle müssen verstehen, dass es in der ganzen Menschheitsgeschichte noch nie eine Generation gegeben hat, die durch die Errungenschaften der Technik sich im Alltag sowohl in der Arbeit wie bei der Gewinnung von Nahrungsmitteln so wenig zu bewegen brauchte wie wir. Das müssen wir uns in der Freizeit zurückholen, sonst sind wir anfällig für Rückenschmerzen.